Zum Jahreswechsel 2011 / 2012
Newsbeitrag vom 05.01.2012.

Gruß zum Jahreswechsel 2011 / 2012
Die Tradition ein kigo zu finden - kigo: Gedanken zur Jahreszeit - mit dem ich meist meinen jährlichen Gruß zum Weihnachtsfest beginnen sollte und welches zugleich ruhigen Abschied von Vergangenem und freudigen Ausblick auf das Neue vermitteln würde, erinnert mich an ein in jeder Beziehung außergewöhnliches, ja unheimliches Jahr: Ich finde schlicht kein kigo, welches zu einem solch milden, fast befremdenden Herbst mit seiner Dürre und ungewohnt-unherbstlicher Wärme passen würde. Aber vielmehr noch: Ich finde keine Worte die tragischen Ereignisse vom März dieses Jahres noch einmal in unser Gedächtnis zurückzurufen. Dafür wird es nie ein kigo geben, keine Metapher wird dieser Apokalypse gerecht, die über Japan hereingebrochen ist. Hoffen wir, daß das kommende Jahr des Drachen für Japan nunmehr ein segensreiches wird, so wie das glückverheißende Symbol des Drachens dynamische Zuversicht und Tatendrang versprechen sollte.
Es war auch das Jahr des Gedenkens an hundertundfünfzig Jahre deutsch-japanischer Freundschaft. Unsere Gesellschaft nahm die Anregung auf und wir durften eine Fülle von Veranstaltungen organisieren, die diesem denkwürdigen Jahr gerecht wurden. Ich danke an dieser Stelle allen Ehrenamtlichen und Allen, die sich mit solchem Elan diesen großen Aufgaben gewidmet haben. Wir wurden von unseren japanischen Freunden engagiert unterstützt und es wäre müßig, noch einmal den bunten Reigen der Veranstaltungen in Stuttgart und Tübingen zu beschreiben. Ein Höhepunkt war sicherlich unsere mehrtägige Benefizveranstaltung im Zuge des Sakura-Festes, auf welchem wir ein beträchtliches Spendenvolumen zusammenbringen konnten. Auch danach riß die Spendenbereitschaft nicht ab und selbst heute noch verzeichnen wir Eingänge auf unserem Konto. Im Namen aller möchte ich Ihnen danken.
Wir haben im Vorstand lange diskutiert, wie wir das Spendenvolumen von ca. 48.000 EURO für die Opfer des Tohoku-Bebens einsetzen würden und schließlich bedurfte es einer notariellen Ergänzung unserer Satzung und einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im November d.J., so daß wir uns nun zu dieser Lösung entschlossen haben: Wir wollten zum einen uns nicht an einem anonymen Spendenwerk beteiligen, weil wir Erste Hilfe-ähnliche Maßnahmen ohnehin nicht direkt begleiten konnten, und wir wollten zum anderen darauf achten, daß unser Einsatz nachvollziehbar und nachhaltig, wenn möglich sogar langfristig sein würde. So fördern wir nun die uns nahestehende weil von unserem Tübinger Mitglied Wolfgang Fanderl gegründete Organisation Kyuentai mit 30.000 EURO. Kyuentai wird die psychotherapeutische Behandlung traumatisierter Waisenkinder finanziell unterstützen und Herr Fanderl, der sich mit japanologischen Themen zur Tohoku-Region befaßt, die kommenden Projekte persönlich und mit der Hilfe Ehrenamtlicher in Morioka auswählen und vor Ort begleiten. Mit weiteren15.000 EURO werden wir unter Maßgabe unseres Mitgliedes Herrn Yoshihara Musikinstrumente für Schulen im Raum Fukushima erwerben. Viele Schulen sind durch den Tsunami vernichtet und andere durch den Auswurf der havarierten Atomkraftwerke radioaktiv; nun gilt es den Kindern in den verbliebenen und den wieder hergerichteten Schulen mit Musik und Sport zu helfen, ihren alten Lebensrhythmus auch in psychischer Hinsicht wieder zu finden. Beide sind Projekte, die bei japanischen Geldgebern nicht unbedingt auf der Prioritätenliste stehen und so sind wir sicher, daß wir etwas Besonderes und Engagiertes tun. Wir sind beiden Herren, Herrn Fanderl und Herrn Yoshihara, dankbar, daß sie sich mit soviel Einsatz und persönlichen Mitteln engagierten. Das Spendenkonto wird auch weiterhin fortgeführt und wir werden auch die zukünftig eingehenden Beträge in den nächsten Jahren diesen beiden Projekten zukommen lassen. Unsere Schwesterorganisation Japanisch-Deutsche Gesellschaft in Nagano hat sich zudem bereit erklärt, mit Rat und Tat zu fördern und uns beiseite zu stehen. Ich hoffe, daß wir im Namen all unserer Mitglieder handeln - auch derer, die nicht an der außerordentlichen Versammlung teilnehmen konnten.
Aber ich möchte Ihnen allen für die großzügigen Spenden danken und mit diesem Dank schon jetzt die Hoffnung verbinden, daß Sie auch weiterhin diese zwei Projekte begleiten, wenn nicht finanziell so doch mit Ihrem Wohlwollen.
Gern hätten wir noch mehr eingebracht. Doch unsere finanziellen Mittel sind durch die vielen Ereignisse weitgehend erschöpft. Daher müssen wir im nächsten Jahr kürzer treten und wir kommen gern auf Beiträge und Anregungen unserer Mitglieder zurück, die monatlichen Veranstaltungen intern auszurichten, um nicht in gleichem Maße auf externe Interpreten und Künstler zurückgreifen zu müssen. Prof. Schmid hat das neulich mit seiner Präsentation zu Japan als Forschungs-und Technologiemacht exemplarisch vorgelebt. Damit wird die Gesellschaft vielleicht auch wieder persönlicher und zudem geselliger. Sie ist mit 220 Mitgliedern zwar stabil und in ihrer Bedeutung nunmehr durchaus vergleichbar mit der in anderen großen deutschen Städten, doch sie wächst nur langsam, was ich bei der Bedeutung Japans als Freund und Wirtschaftspartner kaum nachvollziehen kann. Einen Impuls zu mehr Bedeutung und zu einem Engagement vor allem jugendlicher Menschen verspreche ich mir durch die Zweiggruppe Tübingen, die im Rahmen des dortigen Japanologischen Seminars in diesem Jahr ins Leben gerufen wurde. Die Robert Bosch-Stiftung hat bekanntlich Preise für Verdienste um die Deutsch-Japanische Freundschaft ausgeschrieben. Bei der feierlichen Preisverleihung in der japanischen Botschaft wurden immerhin drei von uns durch Botschafter Shinyo ausgezeichnet - ich werte das als Anerkennung und Ansporn.
Bedeutung Japans: Mit unserer Veranstaltung Japan aus Unternehmerischer Sicht mit unserem Ehrenpräsidenten Prof. Dr. Berthold Leibinger und dem Vorsitzenden unseres Dachverbandes Dr. Vondran sowie dem Empfang im Stuttgarter Rathaus leisteten wir einen bedeutenden Beitrag, das Wissen von der Größe Japans als Kultur-und Wirtschaftsnation unter den Stuttgarter Bürgern zu fördern. Oberbürgermeister Schuster ist sich nun bewußt, daß es eines größeren Engagements seitens Stadt und Land bedarf, die zunehmenden Investitionen japanischer HiTech-Unternehmen in unserer Region auch kulturell zu begleiten, mit gesellschaftlichem Engagement abzusichern und die Zersplitterung all der sich mit Japan befassenden Organisationen, Museen, Gruppen zugunsten eines einheitlicheren Auftritts gegenüber der Öffentlichkeit zu beenden - wie es in anderen Regionen gelebt wird. Wir hoffen, daß sich die weiteren Gespräche bald in der einen oder anderen Form in Projekten konkretisieren.
Zum Schluß noch etwas, über das nachzudenken sich für Japan-Interessierte vielleicht lohnt. Wir sprachen in diesem ausgehenden Jahr sehr oft von dem Begriff Freundschaft. Doch was bedeutet Freundschaft in Japan - was bedeutet dieser Wert in Deutschland, in unserem eigenen Sprach-und Werteverständnis? Ursprünglich kannten die Japaner nur das tomo - was weniger unserem Wert Freund entspricht . es ist vielmehr der Geselle, Gefährte, der meinem familiären Umfeld Nahestehende. Aber Freund - denken wir an das von Schiller so meisterhaft dargestellte und eingeforderte Freundschaftsideal bis hin zur Selbstaufopferung - das ist es in Japan nicht. Die Japaner übernahmen seinerzeit, wohl weil sie solch ein idealisiertes Freundschaftsbild in unserem Sinne nicht kannten, chinesisch geprägte Lehnwörter wie yujin oder yujo für Freundschaft - ja heute zu oft sogar das Fremdwort furendo (friend) - um zu einem vergleichbaren Stellenwert in der globalisierenden Werteskala zu gelangen, der ihrer Kultur a priori eigentlich fremd war und der westlich besetzt wurde. Ein tomo oder tomodachi sieht seine Rolle traditionsgemäß mehr konventionskonform und im gesellschaftlich geprägten Beziehungsgeflecht, weniger in der stark idealisierten Bedingungslosigkeit, wie sie unser Begriff von idealer Freundschaft einforderte. Insofern hat, in japanischem und ein Deutschlandideal verklärendem Verständnis vieler Japaner, Deutschland sich wohl nicht ganz wie ein Freund verhalten, als sich die Tragödie dieses Jahres in ihrem vollen Ausmaße abzeichnete und als es sogleich mit der Evakuierung seines Personals reagierte . diese eher nüchterne oder gar rationale Haltung gegenüber den Ereignissen wäre wohl eher eine japanische gewesen . eben mehr die eines Gefährten, eines tomo, aber nicht die eines Ideals . Fürs Erste bleiben wir wohl noch Ferne Gefährten.
Also, nun wollen wir es dabei belassen: West wird Ost und Ost wird West - auch in der Betrachtung metaphysischer Werte.
Gute Wünsche zum Jahreswechsel sendet Ihnen Allen
Ihr Präsident Dr. Hans-Dieter Laumeyer

Spendenkonto der DJG-BW
Kontoinhaber: Deutsch-Japanische Gesellschaft BW e.V.
Konto-Nummer: 13 76 836 BLZ 600 501 01
Kreditinstitut: BW -Bank Stuttgart
Zweck: Spende Tsunami 2011
Name und Adresse des Spenders für Spendenbescheimigung.

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Rückblick am Jahresende 2008
Newsbeitrag vom 02.01.2009.

Zum Jahreswechsel 2008/2009
Liebe Mitglieder, liebe Japan-Freunde!
Ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu und damit ist es an der Zeit, kurz Rückblick zu halten, was sich in unserer Gesellschaft ereignet hat in diesem Jahr der Ratte, für das es in Japan stand, und wie wir weitergekommen sind in unserem Bemühen, ein Forum, ein Arbeitskreis zu sein, der Brücken bauen sollte zwischen uns und dem uns so fernen und doch so nahen Japan, seinen Menschen, seiner Kultur. Die Ratte steht bekanntlich für Emsigkeit, für Familiensinn . kurzum für geschäftiges Treiben mit ihren Artgenossen. Sind wir beschert worden mit dem, was die Ratte uns versprach? Ihren Attributen entsprechend hatte sie die Meßlatte recht hoch gelegt. In einigen Bereichen: Ja! Wir haben erreicht, was wir wollten. In anderen: Nein! … es gab viele Erfolge, aber es folgte auch Ernüchterung, Besinnung auf Mögliches. Herr Grosse hat einmal so treffend formuliert, daß wir uns in einem Parallelogramm der Kräfte bewegen: Auf einer festen Basislinie, das sind unsere Geschichte und Solidität, schwanken die beiden oberen Kräftefelder hin und her. Das eine steht für die kulturbezogenen Aktivitäten, das andere für den Anspruch auf Geselligkeit, auf aktives Vereinsleben. Schauen wir einmal selbstkritisch und gemeinsam auf diese Kräftefelder zurück:
Ja, wir waren sehr, sehr aktiv. Viel aktiver als ich es zu ahnen wagte, als wir im Jahre 2007 begannen, die Kultur- und Gesellschaftbezogenen Themen zu forcieren. Wir schauen zurück auf einen bunten Reigen mannigfachster Vorträge, Events, die wir unseren Mitgliedern bieten konnten. A Hundred Things Japanese nannte sich einmal ein Buch des Japan Cultural Institute, das ich kürzlich in meiner Sammlung ausgrub. Genau das war es und das wird auch die Losung für die nächste Zeit sein - wir wollen uns mit allem beschäftigen, was Japan für uns so interessant macht, ein bißchen aktionistisch, enthusiastisch, aber auf jeden Fall viel, viel Stoff, viele Themen - A Hundred Things Japanese! Populärwissenschaftlichkeit sollte der Anspruch sein. Den haben wir erfüllt, wie jeder in den Bambusblättern verfolgen konnte, der nicht zu unseren Vorträgen kam. Das Parallelogramm schlug sehr, sehr stark in diese Richtung aus. Der andere Schwerpunkt indessen verharrte .
Erste Perlen waren im Januar unser Neujahrsempfang, die Führung im Lindenmuseum, die festliche Atmosphäre, der Vortrag über Izumo von Professor Antoni. Das an diesem Abend erreichte Niveau sollte den weiteren Verlauf des Jahres bestimmen. Landeskundlich-historisch folgte der Abend, den Frau Flache von der Universität Tübingen über den Großen Schrein auf der Insel Miyajima aus japanologischer Sicht gestaltete. Damit nahmen wir die Thematik: Große Japanische Heiligtümer wieder auf, die wir im Vorjahr mit unserer Pilgerreise durch Shikoku begonnen hatten. Wir hatten Gelegenheit, über eines der größten Heiligtümer Japans sehr viel Unbekanntes jenseits von Tourismus zu erfahren. Diese Authentizität setzte sich brillant in Herrn Wollboldts Vortrag über das für Japan so wichtige große buddhistische Zentrum Enryakuji fort, eines der Zentren japanischer Geistesgeschichte. Noch einmal: Vielen Dank für diese Abende!
Frau Dr. Meier, Universität Tübingen, präsentierte uns im April Neues aus dem Kaiserhaus: Hinter dem Chrysanthemenvorhang. Hautnah konnte man die für uns manchmal kaum nachvollziehbaren dynastischen Zusammenhänge erfahren und auf welchen Rückhalt der Tenno und die kaiserliche Familie nach wie vor in der Gesellschaft Japans bauen können. Im Jahre 2008 wurde Prinz Genji Tausend Jahre alt . Japan begeht dieses Jubiläum mit einer Vielzahl von literaturhistorischen Veranstaltungen. Und natürlich mußten auch wir etwas bieten: Frau Dr. Streb führte uns in die Welt des Genji Monogatari, indem uns im Lindenmuseum eine kostbare Abschrift aus dem 17. Jahrhundert bewundern ließ. Und dann kam eine

wirklich großartige Theateraufführung: Ein Kampf um Kyoto ! Studenten des Japanologischen Seminars Tübingen organisierten sich in einer Theatergruppe und zeigten uns Szenen aus dem Heike Monogatari, einem der großartigen Epen des mittelalterlichen Japan . ein wirklich bewundernswertes Unterfangen . Kostüme selbst hergestellt, alles in eigener Regie. Herrn Dr. Mrugalla und allen Schauspielern sei noch einmal gedankt für dieses Engagement. Inzwischen ist die Theatergruppe auch außerhalb der Region bekannt geworden.
Nach der Sommerpause begannen wir wieder mit einem Vortrag von Herr Fanderl über die Großen Sommerfeste in Nordostjapan, die er selbst erforschen konnte und die nicht nur für uns, sondern wohl auch für die meisten Japaner so bunt und faszinierend sind. Dann war der Literaturnobelpreisträger von 1994 Oe Kenzaburo war zu Gast in Stuttgart. Wir erlebten ihn persönlich, durften Kostproben seines letzten Romans Sayonara, meine Bücher hören und mit ihm sprechen. Das Albireo-Flötenquartett war ein weiteres kulturelles Highlight. Frau Fukui-Fauser erklärte uns, welche Bedeutung die Flöte in der japanischen Musik hat, nicht nur historisch. Dieses Mal war es zeitgenössische, experimentielle Musik. Ein Dankeschön für diesen beeindruckenden Abend und für die Kostproben Ihrer Kunst!
Mit drei aktuelleren Themen beschäftigten wir uns während der letzten Monate des Jahres der Ratte:
Dr. Ulrich von Buol, ehemals Leiter des Ressorts Führungskräfteausbildung bei Siemens und bei verschiedenen Hochschulen gefragter Referent zu dem Themenkreis Firmenkultur und Führungskräftenachwuchs diskutierte mit uns bei reger Beteiligung von Schülern und Lehrkräften des Königin-Charlotte-Gymnasiums Vor-und Nachteile des Japanischen Erziehungssystems. Ein delikates Thema bildet nach wie vor alles, was mit dem japanischen Nationalcharakter zusammenhängt - die verschiedensten, Bibliotheken füllenden Exkurse kann man unter der Rubrik Nihonjinron zusammenfassen. Professor emer. Opitz, ehemals Ordinarius für Japanologie in Tübingen, schweifte mit uns durch die Jahrhunderte, so daß wir den historisch wohl einmaligen Formungsprozeß dieses Landes und seines Charakters - Professor Antoni nannte diesen sogar die Singularität Japans - erfahren und wir so erlernen konnten, wie einfühlsam und interkulturell kompetent man mit diesem sensiblen Thema umgehen muß. Hochaktuell ist natürlich die Revision der Japanischen Verfassung hinsichtlich des Artikels 9, welcher Japan nach dem 2. Weltkrieg das Verbot von Streitkräften jeglicher Art auferlegte. Inzwischen ist das Land militärisch hoch gerüstet und setzt seine Flotte und seine Streitkräfte bereits wieder in Krisengebieten ein. Damit verbindet sich eine Fülle von Themen geopolitischer Natur, die in Zukunft in der gesamten Region des Fernen Ostens und damit für uns all von Bedeutung werden. Herr Matijevic, Kapitänleutnant zur See, dazu auch Japanologe und Politologe, zeigte uns anhand eigener Recherchen, wie Japan aufgerüstet hat und wie sich das japanische Militär heute in der Gesellschaft Japans darstellt: Die Japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte. Wir alle sind medienverwöhnt - aber eine derartige Dokumentation gibt es weder im Internet noch jemals im Fernsehen!
Allen Referenten und allen, die an diesen wegweisenden Veranstaltungen mitgewirkt haben, sei im Namen unserer Gesellschaft herzlich gedankt. Also: Wir konnten eine Fülle von Darbietungen präsentieren. Mehr ging wirklich wahrlich nicht. Und wir hielten unser Versprechen - das eines monatlichen Zyklus. Wer die Abende verpaßt hat, der kann sich im Internet unter Japan-in- Baden-Württemberg erkundigen.
Nun, das Kraftfeld des Parallelogramms weist stark nur in die eine Richtung. Und die andere? Ist die Gesellschaft gefolgt, partizipiert sie, nimmt sie das Angebot an? Nein, bisher nicht. Das immer reichhaltiger werdende Spektrum an Vorträgen und Veranstaltungen bleibt von unseren Mitgliedern weitgehend ungenutzt. Dabei ist der neue Vorstand doch angetreten, eben diese Lethargie zu ändern! Sollten wir mehr gesellige Veranstaltungen in den Vordergrund stellen? Es wäre schön, wenn sich unsere Mitglieder hierzu einmal äußern würden. Wir wollen kein übertriebenes Vereinsleben, schließlich sind wir kein Schrebergärtnerverein - aber wenn derartig hochkarätige Referenten auftreten wie in diesem vergehenden Jahr, sollten auch das Engagement sowie das Interesse der Mitglieder erkennbarer werden.
Dabei waren wir aber auch in Richtung Geselligkeit, Außenauftritt in Wirtschaft und Gesellschaft recht rührig. Ich will Ihnen davon berichten:
Zunächst verbanden wir uns wieder mit der Organisation der Japaner hierzulande. Herr Scheiffele vom Japan-Club Stuttgart trat dem Vorstand bei und ist nun auf beiden Seiten aktiv. Ein Meilenstein in Richtung Zusammenwachsen ist unser gemeinsames Internetportal Japan in Baden-Württemberg, das sich zusehends eines breiteren Interesses erfreut. Zu nennen sind dabei auch die verschiedenen links, die Türen zu weiteren Japan-Institutionen öffnen. Zum Beispiel zur OAG in Tokyo. So erhalten wir mehr Kompetenz und Gewicht in der Öffentlichkeit. Aber besonders sind es die Bambusblätter, die sich - wie wir es beabsichtigten - zu einem Medium mit sachkundiger Kompetenz gemausert haben. Es werden ja sogar Sammelbände herausgegeben! Das ist totaliter die Leistung von Herrn Wollboldt, Hobby-Japanologe par excellence. Er wird dabei von seiner Frau unterstützt, die vieles ins Japanische übersetzt - ohne das Engagement der beiden wären unsere Veröffentlichungen undenkbar. Vielen, vielen Dank im Namen aller! Dank gebührt natürlich allen, die sich bemüht und engagiert haben. Ich werde darüber noch beim Neujahrsempfang sprechen.
Ein besonderes Ereignis in Richtung Außenauftritt war aber die Unterzeichnung eines Freundschaftsabkommens mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Nagano. Ja, wir haben uns mit denen verschwistert! Das bedeutet, daß wir in Zukunft Informationen über unsere Regionen austauschen, uns einladen, den Kulturaustausch, eventuell Schüler-und Studentenaustausch, fördern wollen. Das Willkommen gilt auch für alle, die während eines Japanaufenthaltes diese wunderschöne und historisch so interessante Präfektur besuchen wollen. Bitte melden Sie sich vorher, so daß wir Ihren Besuch vorbereiten können und Sie in Nagano oder Matsumoto empfangen werden. Eine Delegation aus Nagano nebst ihrem Präsidenten Chino kam zur Unterzeichnung unserer Vereinbarung angereist. Ich hoffe, daß wir den Aufenthalt unserer neuen Freunde interessant gestalten konnten. Eine erste Frucht dieser Zusammenarbeit ist die geplante Tournee unseres Sängers Teru Yoshihara, allen gut bekannt. Er wird einer Einladung nach Nagano folgen und dort zur Freude aller Zyklen von Schubert singen. Ja, Yoshihara-san ist unser Kulturbotschafter geworden!
Etwas Selbstkritik ist sicherlich angebracht ob dieser noch ausbaufähigen Aktivitäten in Richtung Öffentlichkeit und Vereinsleben. Aber mit dem erweiterten Beirat und den neuen Vorstandsmitgliedern sind wir gut aufgestellt. Eine Lösung muß gefunden werden. Frau Rappsilber-Kurth kümmert sich bestens um eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit, der Initiativkreis Veranstaltungen um reibungslose Durchführung der Veranstaltungen. Beiden sei Dank. Herr Grosse und ich haben kürzlich auch Gespräche mit der Internationalen Handelskammer in Stuttgart geführt - mit dem Ziel, die Wirtschaftsaktivitäten in Richtung Japan kulturell und gesellschaftlich zu flankieren zu können. Im Bereich Wirtschaft müssen wir aufholen und Kompetenzen entwickeln. Die räumliche Distanz zu Tübingen ist ein Problem für die dortigen Studenten. Eine Lösung muß gefunden werden.
Was bleibt zu tun? Es wird in ähnlicher Form weitergehen im Jahr der Kuh - regelmäßige Aktivitäten in Sachen A Hundred Things Japanese. Die finanzielle Basis ist gesund. Die Mittel können, da läßt das Finanzamt nicht mit sich spaßen, leider nur in gemeinnützigem Sinne ausgegeben werden. Aber ich hoffe, Sie bleiben uns gewogen und versagen uns nicht die Unterstützung für die ambitionierten Ziele, auch wenn wir medial alle so verwöhnt sind. Die Kuh ist ein phlegmatisches Tier und gilt als nicht besonders rührig. Kein Omen! Aber ohne wiederkäuend zu wirken wiederhole ich mein Petitum: Bleiben Sie engagiert und an Japan interessiert - sie helfen Japan und Deutschland! Mit Dank und den besten Wünschen für Sie und Ihre Familien,
Ihr Dr.Hans -Dieter Laumeyer, Präsident
Stuttgart, im Dezember 2008

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Jahresendbrief des Präsidenten
Newsbeitrag vom 15.12.2007.

Liebe Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft!

Es ist seit altersher guter Brauch, gegen Jahresende sich rückblickend auf das Vergehende zu besinnen und doch gleichzeitig die Sinne schon auf das Kommende zu richten. Das sollten wir in der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Zukunft auch so tun. Und das ist in erster Linie Aufgabe des Präsidenten.

In Japan geht das Jahr des Schweines zu Ende. Unsere japanischen Freunde werden bald das Jahr der Ratte beginnen. Das Jahr des Schweines hat gehalten, was ihm an Auspizien zugesprochen wird: Japan ist wirtschaftlich wieder auf dem Wachstumspfad. Lebensfreude und Wohlstand sind zurückgekommen. Nach den immer üblichen innenpolitischen Querelen erscheint das Land geordnet, sich anschickend, wieder so zu sein wie wir es vor der Heisei-Krise kannten: High Tech-Land, optimistisch, dynamisch, tolerant und experimentierfreudig – wieder nach den Sternen greifend. Aber die florierende Wirtschaft ist nur ein Teil seines faszinierenden Gesamtbildes. Mehr und mehr, auch dank der modernen Medien, können wir wieder jede Facette seiner wunderbaren und wieder zu sich selbst findenden Kultur erfahren, in der sich für uns in immer so erstaunlicher Kontinuität Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfügen. Und wir in Stuttgart werden fortan aktiv daran teilnehmen.

Aber auch für uns hat das Jahr des Schweines einige Veränderungen gebracht. Ein in die Jahre gekommener Verein wendet sich Neuem zu – neuen Herausforderungen. Dafür steht bekanntlich in der chinesisch-japanischen Vorstellung die Ratte. Also schauen wir auf das Jahr der Ratte und in die Zukunft. Der scheidende Vorstand hinterließ wohlgeordnete Finanzen und eine Basis, auf der wir weiter aufbauen können. Ich möchte hiermit Herrn Gempt und dem alten Vorstand danken. Wenn wir nun aber die Segel an den Wind bringen und uns Neuem stellen, so tun wir - die Neuen - das in der Gewißheit, im Auftrag all unserer Mitglieder zu handeln. Ich sage daher ein herzliches Dankeschön allen Menschen, die sich der DJG verbunden fühlen, seien sie bereits Mitglied oder seien sie kommende Mitglieder. Danke für die Treue und das Vertrauen!

 

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