Jahresendbrief des Präsidenten
Newsbeitrag vom 15.12.2007.

Liebe Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft!

Es ist seit altersher guter Brauch, gegen Jahresende sich rückblickend auf das Vergehende zu besinnen und doch gleichzeitig die Sinne schon auf das Kommende zu richten. Das sollten wir in der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Zukunft auch so tun. Und das ist in erster Linie Aufgabe des Präsidenten.

In Japan geht das Jahr des Schweines zu Ende. Unsere japanischen Freunde werden bald das Jahr der Ratte beginnen. Das Jahr des Schweines hat gehalten, was ihm an Auspizien zugesprochen wird: Japan ist wirtschaftlich wieder auf dem Wachstumspfad. Lebensfreude und Wohlstand sind zurückgekommen. Nach den immer üblichen innenpolitischen Querelen erscheint das Land geordnet, sich anschickend, wieder so zu sein wie wir es vor der Heisei-Krise kannten: High Tech-Land, optimistisch, dynamisch, tolerant und experimentierfreudig – wieder nach den Sternen greifend. Aber die florierende Wirtschaft ist nur ein Teil seines faszinierenden Gesamtbildes. Mehr und mehr, auch dank der modernen Medien, können wir wieder jede Facette seiner wunderbaren und wieder zu sich selbst findenden Kultur erfahren, in der sich für uns in immer so erstaunlicher Kontinuität Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfügen. Und wir in Stuttgart werden fortan aktiv daran teilnehmen.

Aber auch für uns hat das Jahr des Schweines einige Veränderungen gebracht. Ein in die Jahre gekommener Verein wendet sich Neuem zu – neuen Herausforderungen. Dafür steht bekanntlich in der chinesisch-japanischen Vorstellung die Ratte. Also schauen wir auf das Jahr der Ratte und in die Zukunft. Der scheidende Vorstand hinterließ wohlgeordnete Finanzen und eine Basis, auf der wir weiter aufbauen können. Ich möchte hiermit Herrn Gempt und dem alten Vorstand danken. Wenn wir nun aber die Segel an den Wind bringen und uns Neuem stellen, so tun wir - die Neuen - das in der Gewißheit, im Auftrag all unserer Mitglieder zu handeln. Ich sage daher ein herzliches Dankeschön allen Menschen, die sich der DJG verbunden fühlen, seien sie bereits Mitglied oder seien sie kommende Mitglieder. Danke für die Treue und das Vertrauen!

 

Eine kurze Rechenschaft über das Getane in jener Übergangszeit vom Schwein zur Ratte: Es galt, der DJG eine Richtung zu geben, die ihr gebührt. Wir verstehen uns als eine Vereinigung, die in geselliger Form das Wissen über die japanische Kultur in Deutschland fördert und so nachhaltig zur Verständigung zwischen unseren Völkern beiträgt. All unsere Mitglieder haben verschiedenste Interessen an Japan. Wir werden diesen Schatz wahren und pflegen, mit ihm arbeiten und ihm vieles bieten. Dann wird er sich auch mehren und eines Tages werden wir auch in Baden-Württemberg eine solche Bedeutung erlangen, die einem Verein gebührt, der eine Brücke nach Japan bauen will, dem zweitgrößtem Industrieland der Welt. Die neuen Kooperationen mit dem Japanologischen Seminar in Tübingen und dem Lindenmuseum in Stuttgart unterstreichen unseren Anspruch, ein populärwissenschaftliches Forum des Wissens über Japan zu sein.

Wir wollen den Japan-bezogenen Forschern ein Rostrum bieten, auf dem sie in allgemeinverständlicher Form einem breiteren Publikum ihre Arbeiten vorstellen. Das hat sich bereits prima bewährt. Unser Bekanntheitsgrad steigt proportional. Junge Wissenschaftler lernen so, vor einem Publikum zu sprechen und andererseits lernen wir von den Japanologen.

Professor Antoni, Ordinarius der Japanologie, und Professor Michel, Leiter des Lindenmuseums, sind unserem Beirat beigetreten. Entsprechend interessant waren auch bereits die Veranstaltungen der letzten Monate. Zu nennen sind nicht nur die Abende um das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkrieges in Japan – wir lernten auch genauste Details über die berühmten 88 Pilgerstationen auf Shikoku, als hätten wir uns selbst auf die beschwerliche Wanderschaft begeben. Dann wurden wir mit einem gänzlich unbekannten, schaurig-schönem Sujet konfrontiert: Den (weiblichen) Rachegeistern und ihrer enormen Bedeutung in der japanischen Kultur, in Literatur und darstellender Kunst, und wir konnten erneut erkennen, wie in Japan die Vergangenheit in vielen Aspekten des heutigen Lebens vital und lebendig ist. Das war das Verdienst einer jungen Tübinger Wissenschaftlerin. In ähnlicher Form wird es im neuen Jahr weitergehen. Wir werden über Izumo, jener archaischen Kulturlandschaft auf der Rückseite Japans, lernen und über den großen Schrein auf Miyajima, in der Nähe Hiroshimas, den jeder kennt und doch so wenig über ihn weiß. So geht es dann weiter: Neues aus dem Kaiserhaus - eine Veranstaltung über die Verflechtungen und uns unbekannten dynastischen Verhältnisse – höchst aktuell wegen Fragen der Thronfolge in Japan. Großartig wird sicher der Event über das Genji Monogatari anläßlich des 450jährigen Bestehens der Bayrischen Staatsbibliothek (die eine frühe Prachtausgabe ausstellt). Wir werden in einer breit angelegten Veranstaltung die Stuttgarter über die Bedeutung dieses einmaligen, fast tausend Jahre alten Romans für Japan und die Weltliteratur informieren. Es folgen Abende mit Tübinger Studenten, die als Laienschauspieler in bunten Kostümen Szenen aus den Kämpfen um das mittelalterliche Kyoto zeigen, ein Kampf um Kyoto, basierend auf den alten Epen und in Altjapanisch gesprochen – eine wunderbare Idee eines Tübinger Japanologen. Dann kommen Abende über die großen Volksfeste im Norden Japans – bunt und faszinierend, über den Enryakuji-Tempel und seiner Bedeutung in der Geschichte Japans, ein Seminar zu den kritischen Showa-Jahren. Aber dann wollen wir uns langsam auch gesellschaftlichen Themen der Gegenwart stellen: Bioethik in Japan und Wirtschaftsthemen, Managementfragen stehen auf dem Programm, Architektur und Theater. Und so weiter. Haben wir erst durch derartige Aktivitäten unsere Basis verbreitert, wird in einer Art natürlicher Sogwirkung unsere Mitgliederzahl wieder steigen und wir werden tatsächlich das, was wir sein wollen: Eine Deutsch-Japanische Gesellschaft als Koordinator und Kompetenzzentrum für alle Japan-bezogenen Veranstaltungen unserer Gegend. Eventuell wollen wir die eine oder andere japanologische Arbeit bald mit einem (noch zu gründenden) Preis der DJG Baden-Württemberg auszeichnen, wenn Sie das erlauben und unterstützen.

Das wollen wir unseren Mitgliedern bieten. Und wir hoffen, daß es Ihr Interesse finden wird. Eigene Beiträge sind natürlich immer willkommen. Unser Initiativkreis Veranstaltungen wird gerne Ihre Anregungen aufnehmen und ich möchte hiermit all denen Dank sagen, die sich hier engagieren und zum Erfolg unserer Veranstaltungen beigetragen haben. Ich habe auch die Fühler zu den verschiedenen Institutionen in Berlin ausgestreckt und jüngst dem Botschafter Japans persönlich und ausführlich diese Richtung erklärt, um Unterstützung bittend. Hoffen wir, daß all das bald Früchte tragen wird. Eine weitere Sternstunde war die Idee, mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft der Präfektur Nagano in ein Schwesterverhältnis zu treten. Das ist mittlerweile geschehen.

Während eines gemeinsamen Abends mit den Herren des Japanclubs Baden-Württemberg, in dem sich die in unserem Lande ansässigen Japaner zusammengefunden haben, konnten wir in sehr angenehmer Atmosphäre Möglichkeiten des Zusammengehens beider Gesellschaften besprechen. Vieles werden wir in Zukunft gemeinsam machen.

Ihnen Ideen zu entwickeln, ist sicherlich positiv zu werten. Sie können aber nur gedeihen, wenn die Infrastruktur unserer Vereinigung stimmt. Auch da sind Fortschritte zu verzeichnen: Erstens durch den engagierten Einsatz unseres Geschäftsführers Wolfgang Grosse in Verwaltung und Finanzen, unseres Schriftführers Gottfried W. Wollboldt und von Frau Dora Rappsilber-Kurth, die nun das wichtige Ressort Öffentlichkeitsarbeit leitet. Dank auch an Herrn Rechtsanwalt Dr. Kunz. Mit seinem Sachverstand konnten diffizile juristische Fragen in den Satzungen und zum Vereinsregister gelöst werden. Unser ganz besonderer Dank gebührt Frau Wollboldt, die es auf sich genommen hat, unser Profil aufzuwerten, indem sie vieles ins Japanische übersetzt und hilft, unserem Bulletin Bambusblätter noch mehr Charakter zu geben. Last not least ist es unser Auftritt im Internet, der der Gesellschaft Unverwechselbarkeit geben wird. In Computerfragen höchst kompetente Tübinger Studenten haben sich daran gemacht, uns eine neue Home Page zu entwerfen. Das ist für uns alle sehr wichtig. Die ersten Präsentationen waren sehr beeindruckend und überzeugend. Die Home Page wird sehr ästhetisch und schön. Und ganz besonders erfreulich daran ist, daß sich der Japanclub dem Projekt anschließt. Sinn einer solchen Home Page ist es, daß die verschiedensten Instanzen mit Japan-Bezug in Baden-Württemberg wie in einem Bazar selbstständig ihre Neuigkeiten einbringen, voneinander und übereinander lernen, und daß sich jeder an Japan Interessierte unbürokratisch über uns und über alle Aktivitäten informieren kann. In eine breit angelegte Home Page könnten z.B. später auch Stuttgarter Architekten, Menschen aus Bereichen wie Theater, Musik, Literatur sowie natürlich aus der Wirtschaft und vielen anderen ihre Beiträge einspeisen – ungeahnte Möglichkeiten, unsere Präsenz in Stuttgart zu erweitern. In diesem Sinne noch eine Bitte: Wenn selbst solch Computer-unbegabte Menschen wie ich sich einen kleinen Computer angeschafft haben, so kann das jeder. Mit ein paar Knopfdrücken ist man im Netz, in unserer Home Page, und erhält zeitnächste Information über uns. Auch würden unsere Finanzen entlastet, denn Rundbriefe in Papierform entfielen und man schaut einfach auf den Bildschirm … Was gibt es Neues in der DJG? Ganz einfach, bequem und aktuell. Doch mit solch profanen Themen soll dieser Brief nicht ausklingen:

Ich freue mich auf unseren Abend im Lindenmuseum am 9.1.2008. Daß wir ein Neujahrsfest, ein Shinnenkai, miteinander begehen und kein Jahresendfest, ein Bonenkai, mag Ihnen zeigen, daß wir mit Optimismus in das neue Jahr gehen. Nächstes Jahr gibt dann vielleicht wieder ein Bonenkai, denn dann können wir auf ein volles Jahr Tätigkeit zurückblicken.

Aber bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihren Familien Freude während der kommenden Festtage, Glück und Gesundheit für das Neue Jahr!

Stuttgart, im Dezember 2007
Hans-Dieter Laumeyer

( 15.12.2007 | Kategorie: Rundbrief des Präsidenten | Zurück zum seitenanfang)




 
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